Die Focus Files geben einen Einblick in reale Fälle aus der Praxis. Sie zeigen, mit welchen Problematiken Hunde zu Focus K9 kommen und wie durch Analyse und strukturiertes Training nachhaltige Veränderung möglich wird.
„Und dann hat Max auf einmal zugebissen…“


Was die Situation so gefährlich gemacht hat, war ihre Alltäglichkeit. Komplett unspektakulär, keine Eskalation, kein Streit, kein offensichtlicher Auslöser. Eine Tür ging auf, eine vorher schon anwesende, Max sehr gut bekannte Person kam herein. Ein alltägliches Szenario. Keine Vorwarnung. Nur ein Biss in den Oberschenkel.
Vorgeschichte
Max zeigte bereits in der Vergangenheit auffälliges Verhalten. Besonders bei Hundebegegnungen und insbesondere mit Rüden zeigte er Leinenaggression. Während seiner Pubertät verstärkte sich die Intensität seines Verhaltens zusehends.
Es wurden verschiedene Trainingsansätze versucht, darunter Ablenkung, Distanzarbeit, Umorientierung und Gegenkonditionierung.
Trotz intensivem Trainings passierte eher das Gegenteil und Max reagierte schneller und entschlossener in seinen Handlungen. Er wurde immer schwerer kontrollierbar.
Es entstand schließlich die Überzeugung, dass Max „einfach so ist“ und es sich um ein festes Wesensmerkmal handelt, mit dem man sich einfach arrangieren muss. Alles wurde genau geplant, um nicht in prekäre oder gefährliche Situationen zu kommen. Trotz aller Vorsicht kam es dennoch zu einem Beißvorfall mit offenem Aggressionsverhalten.
Der Wendepunkt
Der worst-case war eingetreten. Es ging nun nicht mehr um kalkulierbares Risiko bei Spaziergängen, sondern um einen Angriff auf einen Menschen im eigenen Zuhause. Es stellte sich die Frage, ob dieser Hund überhaupt noch sicher gehalten und geführt werden konnte.
Man wollte Max aber nicht einfach aufgeben. Über eine Empfehlung fand er schließlich den Weg zu Focus K9.
Der erste Schritt, die Analyse
Max‘ Verhalten wurde in unterschiedlichen Kontexten systematisch analysiert. Vorherige Einordnungen als „Alpharüde“ oder „extrem dominanter Hund“ erwiesen sich als unzureichend bzw als schlichtweg falsch.
Stattdessen zeigte sich eine mehrschichtige Problematik aus fehlerhafter sozialer Struktur, unklarer Verantwortungsverteilung und übernommener Entscheidungskompetenz in Konfliktsituationen.
Das daraus resultierende Verhalten hatte sich schon über mehrere Jahre gefestigt und war dementsprechend stabil. Es war also von Anfang an klar, dass es grundlegende Änderungen geben musste.
Trainingsansatz
Der Fokus lag nicht auf Symptombehandlung, so wie sie zuvor schon erfolglos versucht wurde, sondern auf einer grundsätzlichen Neuordnung der Basis. Dazu muss man verstehen, wo Probleme wirklich entstehen.
Über Anpassung von Struktur, Beziehungsarbeit und klarer, fairer Kommunikation sowie der konsequenten Umsetzung im Alltag kamen wir dem Ziel immer näher. Konkret hieß das, wir haben klare Regeln im Alltag etabliert, Verantwortung neu verteilt und Max hat gelernt, sich in schwierigen Situationen an seinen Menschen zu orientieren, anstatt Entscheidungen selbst zu treffen.
Verlauf
Erste Veränderungen von Max‘ Verhalten waren schon früh spürbar, doch über Jahre gefestigtes Verhalten ändert sich nicht über Nacht. Strukturelle, nachhaltige Veränderung braucht seine Zeit. Grundlegende Verbesserungen im Aggressionsverhalten waren nach etwa 4 Monaten sichtbar. Das Training hat deutlich angeschlagen. Der Grundstein war gelegt und doch hieß es nach wie vor: dranbleiben!
Ausdruck und Körpersprache, Impulsivität und Selbstkontrolle, die Verbesserungen wurden immer deutlicher. Nach etwa 6 Monaten intensiver Zusammenarbeit war unser gemeinsames Training im Wesentlichen abgeschlossen, was aber nicht heißt, dass mit Max nicht mehr weitergearbeitet wurde. Punktuell erfolgten in unregelmäßigen Abständen noch Nachjustierungen.
Ergebnis
Max hat eine deutlich erhöhte Ansprechbarkeit in stressigen Situationen und orientiert sich nun am Verhalten seiner Menschen. Er hat gelernt, sich selbst besser zu regulieren und eskaliert nicht mehr. Max zeigt nun arttypisches, angemessenes Aggressionsverhalten.
Manchmal benötigt Max auch Management, um sich besser an seinen Menschen orientieren und leichter durch für ihn schwierige Momente kommen zu können. Seine Menschen wissen jetzt genau, was Max braucht, bevor die Stimmung kippt und können wieder stressfrei mit ihm spazieren und Besuch empfangen. Aber…
…was es zu beachten gilt
Aggression ist für Hunde ein Kommunikationsmittel. Deswegen kann nicht davon gesprochen werden, dass eine „Heilung“ vorliegt.
Arbeitet man nur an einzelnen Symptomen, kann das Trainingsergebnis schnell ins Gegenteil von dem umschlagen, was man eigentlich erreichen will. Wer nur Symptome korrigiert, aber die Ursache ignoriert, wird das Problem nicht lösen.
Reines Unterordnungstraining reicht bei der Arbeit mit reaktiven Hunden nicht mehr aus, hier bedarf es Erfahrung im Umgang mit aggressivem Verhalten!
Die schnelle Lösung für nachhaltige Veränderung gibt es nicht. Dreht man aber an den richtigen Schrauben und bleibt konsequent bei der Umsetzung, dann wird Veränderung nicht nur möglich, sondern planbar!
Erkennst du euch in diesem Fall wieder und hast das Gefühl, dass ihr trotz intensivem Training nicht weiterkommt? Warte nicht bis es eskaliert!


