Daheim ist ja alles in Ordnung
Ob im Wohnzimmer, in der Küche oder im Arbeitszimmer. Daheim passt’s. Dein Hund ist brav, ruhig, verschmust und immer ansprechbar. Alles ist so, wie es sein soll. Doch beim Spaziergang ist auf einmal alles anders…


Probleme beim Spaziergang
Draußen scheint es plötzlich so, als hättest du einen anderen Hund, der scheinbar nicht einmal mehr weiß, wie er heißt, und es zeigen sich andere Problem, wie zB:
- Zieht an der Leine
- Reagiert aggressiv auf andere Hunde
- Ignoriert dich
- Ist nicht mehr ansprechbar
- Ist übermäßig aufgeregt
- Zeigt Unsicherheit
- Beginnt alles zu jagen, inklusive Radfahrer und Läufer
Kommt dir das bekannt vor?
Die gute Nachricht vorweg, dein Hund leidet mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht an einer gespaltenen Persönlichkeit. Oft liegt die Wurzel an ganz anderer Stelle begraben.
„Aber draußen sind ja viel mehr interessante Dinge die er daheim nicht hat!“
Ja, das stimmt. Zuhause kennt dein Hund alles, von der Umgebung über alle Abläufe, wann was wo und wie passiert. Das hat er vom allerersten Tag an verinnerlicht und übernommen. Er weiß im Grunde genau, was als nächstes passiert und ist schon darauf eingestellt.
Woher kommt das Problem?
Zuhause läuft es relativ entspannt ab, es besteht kein Bedarf an Führung, alle wichtigen Ressourcen, insbesondere deine Aufmerksamkeit, sind ständig verfügbar. Dass alles funktioniert, heißt nicht, dass dein Hund sich auch an dir orientiert. Ist es nicht eher umgekehrt?
Als kurzes Beispiel, stell dir einfach vor, du erledigst gerade etwas. Ob Bügeln, ein Brettspiel mit Familie und Freunden oder ähnliches. Dein Hund kommt zu dir und fordert Aufmerksamkeit von dir ein, sei es für eine Streicheleinheit oder weil er dir ein Spielzeug bringt. Du reagierst, er lernt.
Dein Hund hat hier eine Entscheidung getroffen, ein Ziel verfolgt und es erreicht. Über den Tag, Wochen, Monate und Jahre, überleg dir, wieviele Entscheidungen dein Hund trifft, die von Erfolg gekrönt sind. Wieviele Entscheidungen triffst du?
Was hat das mit dem Spaziergang zu tun?
Beim Spaziergang soll sich dein Hund nun aber an dir orientieren und deine Entscheidungen respektieren. Wieviele Stunden pro Tag seid ihr draußen unterwegs und wieviele seid ihr zuhause? In der Regel verlangst du von deinem Hund nur einen Bruchteil des Tages, sich an dir zu orientieren. Für deinen Hund ist das widersprüchlich.
Sieh es aus der Perspektive deines Hundes.
Er hat zuhause viele Freiheiten und du funktionierst. Ist zB die Wasserschüssel leer und er macht dich darauf aufmerksam, reagierst du sofort. Du machst was dein Hund möchte. Du funktionierst. Beim Spaziergang verhältst du dich nun aber völlig anders und tauschst die Rollen. Möchte dein Hund nun zu einem anderen Hund laufen und du unterbindest das, verhältst dich nicht mehr so entspannt wie sonst, das merkt dein Hund sofort.
Du verhältst dich in dem Moment nur so wegen des anderen Hundes, also muss da irgendwas komisch sein. Dein Hund entscheidet dann in dieser Situation dafür, die Verantwortung zu übernehmen, und orientiert sich nicht mehr an dir. An der Leine pöbeln bzw Leinenaggression ist dann oft die Folge. Ist die Hundebegegnung vorüber, bist du wieder entspannt(er), dein Hund hat die Angelegenheit erfolgreich bereinigt.
Um das alles genauer zu verstehen, muss man sich auch mit der Lerntheorie auseinandersetzen. Dazu wird demnächst ein Beitrag folgen.
Die Lösung liegt darin, deinem Hund Entscheidungen abzunehmen und ihm die notwendige Struktur und Orientierung zu geben, die er braucht, damit er auch in Stresssituationen, wie bei Hundebegegnungen in der Lage ist, dir zu vertrauen, dass du die richtige Entscheidung triffst und er sich an dir orientieren kann. Symptomatische Bekämpfung in der Situation bewirkt keine nachhaltige, langfristige Veränderung.
Das Problem entsteht nicht erst beim Spaziergang
Der Spaziergang ist der Ort, an dem Probleme, wie Leinenaggression, sichtbar werden. Der Spaziergang ist in diesem Fall, überzeichnet gesprochen, kein Trainingsort, sondern das Abbild der Realität eurer Beziehung zueinander. Was draußen passiert, ist nicht eine Verhaltensänderung deines Hundes, es ist vielmehr die Fortsetzung eures Alltags.
Wenn dein Hund an der Leine pöbelt, dann zeigt das, dass er in dieser Situation keine klare Orientierung hat. Diese Orientierung entsteht nicht an der Leine, sondern in kleinen, alltäglichen Situationen. Das kann zB sein, wenn dein Hund Räume beansprucht oder Kommunikation unverbindlich bleibt. Beim Spaziergang fällt das nur stärker auf, weil die Anforderungen steigen.
Stell die richtige Frage
Die richtige Frage lautet nicht, „Wie kriege ich meinen Hund draußen unter Kontrolle?“, sondern „Wie klar bin ich im Alltag für meinen Hund wirklich?“.
Führung beginnt nicht im Konflikt, sondern lange davor.
Conclusio
Wenn du nachhaltige Veränderung willst, musst du dort ansetzen, wo dich dein Hund täglich erlebt. In deiner Klarheit, in der Fähigkeit, Struktur zu schaffen und in deiner Konsequenz.
Veränderung beginnt im Alltag
Wenn du erkennst, dass das Verhalten deines Hundes draußen kein Zufall ist, sondern das Ergebnis eures Alltags, dann ist das der erste wichtige Schritt.
Veränderung beginnt mit einem klaren Blick auf das, was täglich passiert.
Individuelle Analyse statt Standardlösungen
Jeder Hund bringt seine eigene Geschichte mit. Und jeder Mensch seine eigene Art zu führen. Deshalb geht es nicht um pauschale Methoden, sondern um ein präzises Verständnis eurer Situation und klare, umsetzbare Schritte im Alltag.
Wenn du es wirklich verändern willst
Dann arbeite nicht nur am Spaziergang. Arbeite an dem, was ihn beeinflusst.
Wenn du dabei Unterstützung brauchst, begleite ich dich gerne individuell auf diesem Weg!


